„Es geht immer um die Liebe!“

von Philipp Höhler

Ob es sich um seine Zeichnungen, Grafiken, Malerei oder Plastik handelt, in den Arbeiten von Helmut Kunkel steckt immer eine Geschichte. So gegenständlich und plastisch wie seine Darstellungen, so greifbar und begreifbar sind ihre Inhalte. Er bevorzugt Menschen und Tiere als Motive. In Schönheit und Verfall zeigt er Geburt, Blüte und Tod. Wie ein guter Geschichtenerzähler versteht er es, ins scheinbar Vertraute überraschende Wendungen, kleine Details einzuflechten. In der Bildsprache Kunkels sind Humor und Melancholie die Idiome, die in sehr eigener Weise die Erzählung bestimmen und verfeinern.

„Es geht immer um die Liebe!“
Bestechend ist die Schönheit, die Kunkel seinen Objekten verleiht. Die Schönheit entfaltet sich aber erst durch den Kontext und die liebvolle Hand des Künstlers.“Es geht immer um die Liebe“, sagt Kunkel und beschreibt damit den Blickwinkel, aus dem er verstanden werden will. Diese Schönheit seiner Arbeiten verfolgt also auch einen Zweck: den Zweck die Betrachter des Kunstwerks dorthin zu bringen, wo ihr eigener liebevoller Blick geblieben ist…
Der Kontakt, den Kunkel immer zum Publikum hält, ist der Kontakt, den die fast sprechenden Bilder und Plastiken selbst zum Betrachter zu haben scheinen. Niemals nimmt der Künstler dabei eine distanzierte oder rein beschreibende Haltung ein. Offene Blicke seiner Figuren schlagen dabei gleichermaßen Brücken, wie abgewandte Haltungen – lebendige Tierdarstellungen ebenso wie das Bild eines toten Vogels.

Das Wesentliche erfassen
Eine Stubenfliege ist nicht eine, wie jede andere, sondern steht für die Stimmung eines Nachmittags, ein Kind drückt gleichermaßen Unvollkommenheit und Vollkommenheit aus. Wieder ist es der liebevolle Blick des Zuschauers, den Kunkel anspricht und auffordert, diese Unterschiede sichtbar zu machen.
Wie er es anstellt, dass diese Saite angeschlagen wird, ist die Besonderheit dieses Künstlers. Auch wenn es private Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten sind, die sich hinter jedem einzelnen Werk verbergen, so versteht es Helmut Kunkel, das „Wesentliche“ zu erfassen: die Melancholie des Moments, die Komik des Augenblicks – das flüchtige kleine Gefühl, dass viel zu selten zu Wort kommt und letztendlich so entscheidend ist für die Qualität des Lebens.

… dass diese Angst zu irren schon der Irrtum selbst ist“ (Hegel)
So kommt es, dass die Werke auf eigene Weise eine positive Grundhaltung vermitteln, zum Schmunzeln anregen oder eine wohlige Traurigkeit transportieren. Sie wirken auf zwei Ebenen: der unmittelbaren und der subtilen Ebene. Unmittelbar einerseits erschließen sich seine Kunstwerke durch den Verzicht auf Abstraktion: jede Bildsituation, jedes Objekt, eine Szene oder ein Blick, alles ist vertraut. Subtil andererseits ist die Menschlichkeit in der Darstellung, die das vom Künstler Erlebte in das Erleben des Zuschauers überträgt. Nicht die Gedanken des Künstlers müssen erraten oder nachvollzogen werden, sondern die Hingabe zu eigenen Erinnerungen soll aktiviert werden. Helmut Kunkel macht es uns einfach, uns auf diesen Prozess einzulassen und aus Nachdenklichkeit Genuss zu machen.



%d Bloggern gefällt das: